Es war endlich soweit, wir konnten Thorsten Havener die Fragen stellen, die via Facebook direkt von seinen Fans kamen. Der sympathische Entertainer erzählt von seinem großen Vorbild, seiner großen Schwäche und seiner großen Leidenschaft: seinem Job.

Es ist doch bestimmt sehr anstrengend, wenn man sich so gut in Menschen hineinversetzen und jede Mimik und Gestik deuten kann – Wie schaffen Sie es, sich im Alltag auch einmal abzugrenzen? Oder gehen Sie inzwischen ganz locker damit um?

Thorsten Havener: Die Menschen haben da immer eine ganz andere Vorstellung, wie das bei mir tatsächlich ist. Was auf der Bühne stattfindet, das findet auf der Bühne statt. Im Alltag bin ich auch gar nicht so, wie ich auf der Bühne bin. Das heißt, es ist jetzt nicht so, dass ich im Alltag ständig Leute beobachte und sie durchscanne. Das wäre auch fürchterlich mit so jemandem zusammen zu sein, der einen ständig durchleuchtet!

Auf der Bühne merke ich mir alles Mögliche. Da merke ich mir die kleinste Kleinigkeit und im Alltag vergesse ich grundsätzlich alles! Und auch das mit dem Beeinflussen: Hier zu Hause hört noch nicht mal der Hund auf mich. (lacht) Man kann schon ganz klar zwischen der Bühnenperson und dem privaten Thorsten Havener trennen – und da kann ich sehr gut abschalten.

Was ist Ihre größte Schwäche?

Thorsten Havener: Puh, da muss ich jetzt tatsächlich nachdenken …
Also, ich lasse mich schnell ablenken von guten Filmen, guten Serien und guter Musik. Da vergesse ich schnell einmal, dass ich eigentlich viel zu tun hätte. Und dann verbringe ich recht viel Zeit damit, anstatt Dinge zu tun, die wirklich sinnvoll sind. Ich denke, das ist meine größte Schwäche.

Wie schaffen Sie es, ihr normales Leben mit Familie und den ganzen Touren ohne Verluste zu meistern?

Thorsten Havener: Man denkt ja immer das geht, aber das geht gar nicht ohne Verluste. Ich bin extrem viel unterwegs und da geht mir auch extrem viel verloren. Das ist tatsächlich auch die einzige Schattenseite, die ich an dem ganzen Beruf hier sehe. Ich sage immer: Diese drei Stunden Bühnenshow, die mache ich umsonst, alles andere lasse ich mir bezahlen.

Und Verluste hat man da schon, klar. Zum Beispiel, dass man keine Wochenenden hat und all das, aber ich jammere und beschwere mich nicht, ich habe mir das ausgesucht und das war mir vorher klar. Das ist der Preis, den du zahlst, wenn du so einen Beruf machst.

Wer sind Ihre großen Vorbilder?

Thorsten Havener: (überlegt) Da habe ich inzwischen keine mehr. Früher war das ganz klar David Copperfield und alle, die solche großen Shows gemacht haben. Das hat mich immer schon interessiert. Auch dieses Jahr fliege ich wieder mit meiner Frau nach Las Vegas, um da die großen Shows anzugucken und um zu schauen, wie die das machen und welche Methoden sie benutzen, um die Leute da zu begeistern.

Aber inzwischen ist es so, dass ich da meine eigene Form, von dem was ich machen will, gefunden habe. Am Anfang ist es vollkommen normal, dass man Vorbilder hat, an denen man sich orientiert, aber inzwischen mache ich das schon so lange, dass ich tatsächlich keine mehr habe.

Also ist Ihr eigener Ehrgeiz ihr Vorbild?

Thorsten Havener: Meine Vision ist mein Vorbild! Ich überlege mir, was ich machen und in den Leuten auslösen möchte und wie die Show aussehen sollte, die ich selbst gerne sehen würde. Daran arbeite ich dann gemeinsam mit meinem Team.

Kino oder Theater? Boah, schwer! Erst Theater und dann noch ins Kino. (lacht)
Strand oder Berge? Das ist auch schwer! (überlegt länger) Strand.
Lie to Me oder The Mentalist? Lie to Me.
Copperfield oder Houdini? Copperfield.
Buch oder Kindle? Buch!
Wein oder Whiskey? (lacht) Das ist eine gute Frage! Das kann ich nicht sagen. Ich trinke beides gerne.
Croissants oder Weißwurschtfrühstück? Croissants.
Rewe oder Edeka? Rewe natürlich.
Wahrheit oder Lüge? Das kommt darauf an.
Langschläfer oder Frühaufsteher? Langschläfer.
Sherlock Holmes oder Sherlock? Sherlock!

Würde die Welt friedlicher werden, wenn mehr Menschen die Körpersprache ihres Gegenübers besser deuten könnten?

Thorsten Havener: (überlegt) Sie würde zumindest einfacher werden. Man kann ganz anders auf andere eingehen, wenn man weiß, dass man gerade ein Thema angeschnitten hat, das dem Gegenüber vielleicht gerade unangenehm ist oder auch wenn man weiß, dass man ein Thema angeschnitten hat, für das der andere gerade brennt. Es gäbe nicht mehr so viele Konflikte in der Kommunikation selbst und es wäre vielleicht nicht für den Weltfrieden, aber für den täglichen Umgang miteinander – so ganz klein im Alltag, in der Familie – ein bisschen friedlicher, ja.

Wäre es ein Wunsch von Ihnen, in einem Film mitzuspielen?

Thorsten Havener: Das kommt auf den Film an.

Es gab auch direkt einen Vorschlag in den Kommentaren: Thorsten in einem Til Schweiger Film, nach einer Marvelverfilmung, als böser, böser Magier!

Thorsten Havener: Das würde ich sofort machen!

Und ansonsten eine Traumvorstellung? Etwas Richtung Science Fiction vielleicht?

Thorsten Havener: Ich hab eigentlich kein Genre, in dem ich mich bewege. Wenn ein Film einfach gut gemacht ist, kann ich das komplett genießen. Der muss auch nicht teuer oder aufwendig produziert sein, er muss mich einfach nur packen. Wenn mich was langweilt, dann ist auch die teuerste Produktion für die Katz.

Haben Sie denn schon einmal ein Angebot bekommen, in einem Film mitzuspielen?

Thorsten Havener: Nein, überhaupt nicht. Das würde mich aber tatsächlich einmal reizen. Ich glaube, das ist ganz cool da mitzumachen.

Was fällt Ihnen als Erstes ein, wenn Sie an Ihre alte Heimat das Saarland denken?

Thorsten Havener: (lacht) Offene Menschen. Die sind sehr locker dort und man kommt mit ihnen leicht ins Gespräch. Aber natürlich auch an das ein oder andere Klischee: Ein Schwenker fällt mir da sofort ein und Karlsberg Urpils. Und auch dieses „Hauptsach gudd gess“ – das ist tatsächlich im Saarland weit verbreitet. Außerdem mag ich den Menschenschlag unheimlich gerne. Die sind total locker, offen, nett und einfach im Umgang miteinander – und einfach meine ich hier wirklich im besten Sinne. Ich bin ja nach wie vor einer von denen. Ich wohne da zwar nicht mehr, aber man kann seine Herkunft nur schwer leugnen. Meine Heimat ist natürlich jetzt München, wo auch meine Familie sitzt. Und wenn meine Familie in Sibirien sitzen würde, dann wäre meine Heimat halt in Sibirien. Aber meine Herkunft, die wird immer das Saarland bleiben.

Wenn es Sie nicht auf die Bretter, die die Welt bedeuten, gezogen hätte, in welchem Beruf könnte man Sie dann heute finden?

Thorsten Havener: Die Frage stelle ich mir selber ziemlich oft und ich habe keine Ahnung. (lacht) Also es gibt viele Künstler, die sagen, ich bin nur auf der Bühne glücklich und ich kann gar nichts anderes machen. Darüber habe ich mir lange Gedanken gemacht und ich glaube nicht, dass das bei mir so ist. Ich glaube, ich hätte jeden Beruf, den ich ergriffen hätte, mit demselben Herzblut ergriffen, weil das, was man macht, macht man eben richtig mit vollem Einsatz oder gar nicht! Und ich kann mir schon gut vorstellen, dass ich auch in anderen Berufen sehr glücklich geworden wäre, aber ich hatte eben das große Glück, dass ich meine ganz große Leidenschaft auch noch zum Beruf machen konnte und diese Leidenschaft für mich entdeckt habe. Es gab eigentlich nie eine wirkliche Alternative zu meinem jetzigen Job. Auch wenn ich an meine Jugend oder Kindheit zurückdenke, habe ich nie etwas anderes gemacht, weil ich immer auf der Bühne stand. Von daher kann ich es wirklich nicht sagen.