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Es schlägt das Jahr 2021 – und damit die Entdeckung eines neuen Identitätsverständnisses junger und alter Generationen. Ein Grundstein dieser Revolution: Wir entfernen uns vom binären Geschlechtercode (Mann & Frau), der mit Anbeginn des Kolonialismus die Welt überschwemmte. Denn diverse indigene Völker kennen diese geschlechtliche Zweiteilung überhaupt nicht. Die nordamerikanischen Navajos beispielsweise kennen fünf Geschlechter. Bei der Aufteilung in Mann und Frau handelt sich also um ein dezidiert gesellschaftliches Konstrukt. Damit du bei den Begrifflichkeiten in Zukunft nicht durcheinander kommst, sind hier eine Handvoll wichtiger Begriffe für die LGBTQ+ Community mitsamt ihrer Bedeutung, nach bestem Wissen von unserer Redaktion erklärt. 

Eine Bewegung für das Ich-Selbst-Sein

Grundlegendes vorab: Gender und Geschlecht sind zwei Paar Schuhe. Während Gender in etwa Geschlechtsidentität bedeutet, stellt Geschlecht die soziobiologischen Geschlechtsmerkmale eines Menschen dar. Das weltberühmte Zitat aus Simone de Beauvoirs Werk „Das andere Geschlecht“ (1949) veranschaulicht diese Trennung sehr gut: „On ne naît pas femme, on le devient.“ (Zu dt.: „Man ist nicht als Frau geboren, man wird es.“) Linguistisch mag die Unterscheidung verwirren, da „Geschlecht“ ins Englische übersetzt „Gender“ bedeutet. Treffender ist folgende Übersetzung: Das biologische Geschlecht heißt „Sex“, wohingegen „Gender“ für das gelebte Geschlecht steht. 

Wie schon in der Einleitung erwähnt, kennen die nordamerikanischen Navajos fünf Geschlechter: das Weibliche, das Männliche, das männliche oder weibliche Nádleehé (zweigeschlechtlich) und die Urform des Nádleehé, den Hermaphroditen. Des Weiteren haben wir für unsere Recherche unter anderem das Queer Lexikon verwendet, das wir hiermit nur weiterempfehlen können. Falls Du weitere Begriffsfragen haben solltest (und das ist völlig in Ordnung), findest Du dort viele weitere Begriffe und ihre Definitionen. 

LGBTQ+

Das Akronym ist aus dem Englischen abgeleitet und bedeutet „Lesbian, Gay, Bisexual, Transgender, Queer“. Das Pluszeichen steht für weitere Geschlechtsidentitäten, die nicht unter die benannten fünf Kategorien fallen. Weltweit wird der Begriff autonom von der LGBTQ+ Community verwendet. Es gibt allerdings auch Kritik: Während lesbisch, schwul, bisexuell und queer sexuelle Orientierungen sind, meint „Transgender“ die Geschlechtsidentität (Definition siehe unten). Damit werden zwei unterschiedliche Kategorien zusammengefasst. Nochmal zum Verständnis: Trans zu sein, bestimmt nicht die Sexualität der Person. Das heißt, auch Transgeschlechtliche können hetero sein.

Queer

Dies ist ein Sammelbegriff für alles, was nicht cis- bzw. heterosexuell ist. Dahinter steckt eine paradoxe Etymologie: Ursprünglich stammt das englische Wort von „quer“, was wiederum aus der indogermanischen Wurzel „twerk“ hergeleitet wurde (Quelle: Oxford English Dictionary). In früheren Zeiten wurde die Bezeichnung abwertend im Sinne von „sonderbar“ oder „abweichend“ verwendet. Es war die Gruppenleistung der gesamten Community, das Adjektiv im Akt der Selbstbestimmung autonom für sich zu beanspruchen. Nun bezeichnet es Menschen, die von der Cisgender-Heteronormativität abweichen. Hier die passenden Events: Fantastische Queerwesen und wie sie zu finden sind oder auch Das Queer Festival im Karlshofbahnhof Heidelberg am.

Cis

Im oberen Abschnitt haben wir das Wort „Cisgender-Heteronormativität“ genannt. Doch was hat es mit dem kurzen, aber wichtigen Wort „Cis“ auf sich? Hergeleitet ist es aus dem Lateinischen und bedeutet „diesseits“ beziehungsweise „auf dieser Seite“, wohingegen „trans“ für „über“ oder „hindurch“ steht. Wer sich von Geburt an als Frau oder Mann (im Sinne des biologischen Geschlechts) empfindet und im Laufe seiner Sozialisation beim angeborenen Geschlecht bleibt, ist cis. Das Gegenwort von cis ist trans, was wir im letzten Abschnitt erläutern.

Trans

Wie bereits genannt, stammt „trans“ aus dem Lateinischen und heißt „über“ oder „hindurch“. Transgender sind Menschen, deren soziobiologischen Geschlechtsmerkmale nicht oder nicht vollständig mit dem nach der Geburt eingetragenen Geschlecht (durch äußere Geschlechtsmerkmale festgelegt) übereinstimmen. Übrigens: Neben der offiziellen Pride-Flag in Regenbogenfarben gibt es auch eine Transgender Pride-Flagge in babyblauen, rosa und weißen horizontalen Streifen. Die Farbe Weiß steht hier für transidente, intergeschlechtliche und nichtbinäre Menschen. Wohingegen Rosa für das Weibliche und Blau für das Männliche steht. Die Flagge wurde 1999 von Monica Helms entworfen.

Inter

Intergeschlechtlich bedeutet, dass ein Mensch sich abseits des binären Geschlechtermodells als divers begreift. Seit 2019 ist das dritte Geschlecht offiziell auch rechtlich in Deutschland anerkannt. Die intergeschlechtliche Pride-Flagge ist gelb mit einem violetten Kringel im Zentrum und wurde 2013 von der Organisation „Organisation Intersex International Australia“ designt. Wofür steht die Farbkombi? Gelb und lila sind geschlechtsneutrale Farben. Der Kreis im Zentrum symbolisiert das Ganzsein. Das Zeichen funktioniert gegen Pathologisierung und nicht einvernehmliche geschlechtsangleichende OPs an inter*-Kindern.  

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